Ursprünglich komme ich von Premiere. Da wir uns aber vor über 10 Jahren entschieden haben den Adobe Kram nicht mehr mit zu machen, mussten Alternativen her.
Ich habe auch einige Jahre Filmora genutzt. Dann der Umstieg zu DaVinci Resolve.
Ein weiteres Jahr später kam unser Umstieg zu Linux. Wir wollten weg von den ganzen Abo-Fallen und Abhängigkeiten.
Ich hatte mich Jahre zuvor schon mit ShotCut und Kdenlive beschäftigt.
Da wir eine Werbeagentur betreiben, gehören für den Umstieg auch DTP-Programme, Fontverwaltung und 100 andere Programme dazu. Eine wirkliche Herausforderung – ein anderes Thema 🙂
Stell dir Filmora wie eine bunte Verpackung mit allem möglichen Dingen vor. Es versucht immer den neusten Kram dabei zu haben. Die grundlegenden Dinge sind allerdings an vielen Stellen unausgereift, oberflächlich, wacklig. Hauptsache viel Nahrung für das Marketing Alles war auch irgendwie instabil. Wirkliche ernsthafte Anwendungen gingen nur umständlich und nur online.
Dann der Umstieg zu DaVinchi Resolve Studio. Die freie Version hat viel zu viele Einschränkungen, wie u.a. keine 4k-Bearbeitung und auch keine GPU-Unterstützung.
Die Studio-Version ist dann wirklich ein ernsthaftes und sehr mächtiges Schnittprogramm. Vieles ist sehr anders und die Lernkurve ist enorm. Aber auch hier sind viele Dinge nur online möglich. Von den ganzen Funktionen nutzten wie vielleicht 30%… wenn überhaupt.
Filmora ist eine Abo-Falle. Bei DaVinci Resolve weiß man nicht, wie lange sie die Updates kostenfrei halten.
Mit unserem Umstieg zu Linux entschieden wir uns für Kdenlive.
Eine enorme Umstellung – kein Klicki-Bunti.
Eine schöne übersichtliche Oberfläche und ein Programm, dass sich auf das wesentliche konzentriert und auch beherrscht.
Allerdings gibt es zur Zeit noch keine GPU-Unterstützung – es ist geplant. Proxys sind also Pflicht. Hier sollte man sich mit den kleinen versteckten Einstellmöglichkeiten beschäftigen und Experimentierfreudig sein. Dadurch haben wir einen guten Kompromiss erzielen können und ein recht flüssiges Arbeiten erlangt.
Der finale Rendering-Vorgang dauert, da keine GPU-Unterstützung vorhanden ist, sehr lange – im Vergleich zu Filmora und Resolve. Allerdings haben wir bei Filmora am Ende extreme Schwierigkeiten gehabt. Daraus resultierte der Wechsel zu DaVinci Resolve.
Kadenlive hat viele mächtige Werkzeuge unter der Haube. Es wirkt auf den ersten Blick etwas Umständlich. Auch hier sollte man sich die Zeit nehmen und alles erforschen. Das macht sich bezahlt. Kdenlive hat alles erforderliche an Board, was ein solides Schnitt-Programm benötigt.
Es wird oft so getan, als sei Kdenlive umständlich zu lernen. Ich finde das nicht.
Filmora fand ich völlig durcheinander und verworren. Manche Dinge konnte man gar nicht nachvollziehen.
DaVinci Resolve ist sehr mächtig. Die Lernkurve ist enorm. Es wurden einzelne aufgekaufte Programme, wie zum Beispiel der Audio-Bereich, implementiert und alles wirkt zusammengequetscht und unübersichtlich. 3000 versteckte kleine Knöpfchen… ja, es kann viel, aber da muss man dann auch viel Zeit investieren – sehr viel.
Mit Kadenlive muss man sich natürlich auch beschäftigen und sich darauf einlassen. Jedes Programm hat so etwas wie eine Bedienungs Philosophie.
Kdenlive ist sehr gut Dokumentiert. Die eigene Hilfe ist wirklich sehr ausführlich – man muss sich halt die Mühe machen und es lesen – manchmal mehrfach 🙂
Es gibt wenig gute YouTube Kanäle, aber es gibt sie.
Und ja, manche Funktion gibt es nicht so einfach mit einem Klick.
Ich habe diese Gelegenheit genutzt und mich dann wieder auf die Basics konzentriert.
So nach dem Motto: Guter Inhalt muss nicht mit Effekten aufgebläht werden.
Das führte zu guten Ergebnissen.
Wenn man sich darauf einlässt, sich wirklich damit beschäftigt, dann kann man gute Ergebnisse erzielen.
Dabei habe ich auch die Entwicklung im Auge. Und natürlich freue ich mich auf die geplante GPU-Unterstützung.
Ich freue mich auch über den Willen, einige Dinge übersichtlicher und klarer zu gestalten. So wie bei dem letzten Update die Visualisierung der Übergänge.
Man sollte sich allerdings darüber im klaren sein, dass hier keine kommerzielle Ziele verfolgt werden. Das Ziel ist, ein bodenständiges Schnittprogramm zu erstellen.
Jeder kann daran mitwirken und natürlich auch Spenden. Jede auch noch so kleine Summe hilft. Auch wenn das Programm selbst nicht kommerziell ausgelegt ist, aber die „Macher“ leben, genau wie wir alle, in einer kommerziellen Gesellschaft. Das tägliche Futter fliegt nicht einfach so in den Kühlschrank 🙂
Ja, Kdenlive ist vom Leistungsumfang nicht mit DaVinci Resolve zu vergleichen. Aber mal ehrlich, wieviel brauchen wir denn wirklich davon?
Und mit der Abo-Falle Filmora kann man es auch nicht vergleichen. Bei Kdenlive blinkt nichts rum und die Marketingabteilung schreit auch nicht nach dem letzten überflüssigen Scheiss, den sowieso keiner braucht.
Ich habe den Wechsel bisher in keiner Art und Weise bereut.
Keine Abo-Falle, keine Anmeldung, kein Online-Zwang, keine Daten werden von uns gesammelt… das bedeutet Freiheit.
Dafür nehme ich gerne auch ein paar Dinge in Kauf, die im Moment noch nicht so zur Verfügung stehen, oder etwas umständlicher zu erreichen sind.
Da hat jeder die Wahl.
Schlagwort: open source
Eine Antwort zum Thema Kdenlive bei Reddit